Behindertenhilfe im internationalen Vergleich: Besuch aus Korea in der NRD

04.07.2019 NRD.de

Behindertenhilfe im internationalen Vergleich: Besuch aus Korea in der NRD

Offenbach/Dreieich - Leitungskräfte der Behindertenhilfe aus Südkorea besuchten am Dienstag die NRD. Schon länger besteht ein Kontakt der Diakonie Hessen nach Korea, in dessen Rahmen jetzt die Gruppe eine Reise durch Deutschland und Frankreich unternimmt, um Grundlagen und Praxis der Eingliederungshilfe in europäischen Staaten kennenzulernen.

Träger des Austauschs ist die Korea Foundation für Persons with Disabilities (KFPD – auf Deutsch sinngemäß: Koreanische Stiftung für Menschen mit Behinderung), deren Vorstand Lee Seonggyu die Gruppe leitete. Mit dabei waren die Professoren Kim Sangcheol und Baek Jieun sowie Praktiker aus verschiedenen Einrichtungen für Menschen mit Behinderung.

NRD-Vorständin Brigitte Walz-Kelbel wählte den Wohnverbund Offenbach als Besuchsort und Anschauungsbeispiel für die Arbeit der NRD. Die Gäste besichtigten zunächst die Wohneinrichtung in der Offenbacher Gerberstraße, begleitet von Wohnverbundsleiterin Tanja Tandler und Teamleiterin Katharina Illemann. In dem Gebäudekomplex mit rund 50 Wohnungen bietet die NRD seit vier Jahren in 7 unterschiedlichen großen Wohnungen 16 Menschen mit Behinderung ein großstädtisches Lebensumfeld an. Auch wenn es sich äußerlich nicht vom Betreuten Wohnen unterscheidet, handelt es sich um eine stationäre Wohnform, da hier Männer und Frauen mit hohem Unterstützungsbedarf leben.

Der zweite zum Wohnverbund Offenbach gehörende Standort Dreieich-Sprendlingen unterscheidet sich nicht nur durch seine ruhigere vorstädtische Lage. Die NRD führt hier, wie es in den Regionalisierungsprojekten der Regelfall ist, ein eigenes Haus für 16 Menschen, das ebenfalls unterschiedliche Wohnungsgrößen, aber auch einen Außenbereich bietet. Gemeinsam mit Tanja Tandler und Andreas Nink, dem Leiter der NRD-Unternehmenskommunikation, stellte Brigitte Walz-Kelbel die NRD in ihrer Entwicklung von einer Zentraleinrichtung zu einem regionalisierten Anbieter eines zeitgemäßen Spektrums an Leistungen für Menschen mit Unterstützungsbedarf vor.

In Korea, so sagte KFPD-Chairmann Lee Seonggyu, orientierte man sich in der Vergangenheit am britischen Modell der Behindertenhilfe. Die Stiftung sei aber nun verstärkt dabei, andere europäische Länder kennenzulernen. Das von der NRD vorgestellte Betreuungsmodell in kleinen Wohnformen mit aufsuchender Betreuung und dem Bestreben, „ein Leben so normal wie möglich“ zu bieten, wie es Brigitte Walz-Kelbel formulierte, löste eine angeregte Diskussion aus. Mutet man den Klienten nicht zu viel zu? Welche Voraussetzungen muss ein Mensch mit Behinderung erfüllen, um in einer solchen Einrichtung wohnen zu können? Wie finanziert sich die Arbeit? Wer trägt die Bauinvestitionen?

Modelle wie der Zusammenschluss von Kommunen und Kreisen zum Landeswohlfahrtsverband in Hessen, bestehen in Korea nicht. Auch das Prinzip der Subsidiarität, nach dem der Staat Aufgaben an Einrichtungen in privatrechtlicher oder kirchlicher Trägerschaften überträgt, ist nicht bekannt.

Die Gäste bedankten sich für den ausführlichen Einblick in die Arbeit der NRD und die Gelegenheit zur fachlichen Diskussion. Ihre weitere Reise führt sie zunächst nach Trier, wo sie weitere Einrichtungen besuchen, und anschließend ins benachbarte Frankreich. Diese Form des Austauschs ist einer der Arbeitsschwerpunkte der koreanischen Stiftung, deren Zielsetzung wie folgt definiert ist: Die Stellung Südkoreas in der internationalen Gemeinschaft zu stärken, neue Denkweisen und Entwicklungen im Bereich der Behindertenhilfe kennenzulernen, den internationalen Austausch zwischen Trägern der Behindertenhilfe zu fördern und Mitarbeitenden der Behindertenhilfe internationale Studienkontakte ermöglichen. Die Arbeit der KFPD ist in englischer Sprache auf der Website http://eng.herbnanum.org dargestellt.

Die Stiftung Nieder-Ramstädter Diakonie (NRD) ist ein großer Träger der Behinderten-, Jugend- und Altenhilfe mit aktuell 2.500 Mitarbeitenden an 50 Standorten in Südhessen und Rheinhessen. Die Angebote umfassen stationäres und betreutes Wohnen, Ambulante Unterstützung für Familien und Einzelpersonen, Integrationshilfen in Kindergärten und Schulen, Arbeit in Werkstätten für Menschen mit Behinderung (WfbM), Tages(förder)stätten und Integrationsbetrieben, schulische und berufliche Bildung in einer eigenen Förderschule und den Werkstätten sowie vielfältige Beratung.

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